7 Überlebenstipps für Verlage

Ist die Print-Branche dem Untergang geweiht?

Es dürfte inzwischen jedem bekannt sein: Das Internet bringt die Zeitungen in arge Bedrängnis. Hier in Deutschland sind die Auswirkungen noch vergleichsweise mild, aber in den USA können wir sehen wo es hingeht.

Michael Wolff hat das Ganze auf der kürzlich stattgefunden Guardian Changing Media Summit, recht prägnant zusammengefasst: "Every big-city newspaper in the U.S. is either in bankruptcy or will be in bankruptcy in the foreseeable future - that's 12 months. The newspaper industry in the U.S. is over"

Konzentration aufs Wesentliche

Die Verlage müssen sich wieder auf das Konzentrieren, worin sie gut sind und den ganzen Ballast drumherum abwerfen. Ein Grund, warum die Zeitungsindustrie so stark von diesem Medienwandel betroffen ist, ist die Tatsache, dass sie versuchen den ganzen Produktionszyklus einer Zeitung, vom abholzen der Bäume bis hin zur Lieferung der fertigen Zeitung vor die Haustür, zu kontrollieren. Sinken die Auflagezahlen steigen die Produktionskosten pro Einheit dramatisch an und werden letztendlich unrentabel.

Klasse statt Masse

Qualität statt Quantität. Weniger ist Mehr. Wie auch immer man es ausdrücken möchte, dies ist das Leitthema meiner Ratschläge.

Das Internet ist eine hocheffiziente Informations- und Kommunikationsmaschine. Fakten und Nachrichten werden in unglaublicher Zeit verbreitet und repliziert. 5 Minuten nachdem eine Zeitung einen Artikel schreibt, ist dieser im Kern schon auf 10 Blogs zu finden und wurde 1000-mal getwittert. Das sich die Zeitungen darüber ärgern ist genauso natürlich wie seltsam. Seltsam nämlich, weil das kein Phänomen des Internets ist. Geh doch mal an den nächsten Zeitungskiosk und kauf 10 unterschiedliche, zufällig ausgewählte, Zeitungen. Was den reinen Nachrichtengehalt betrifft werden diese zu 95% identisch sein.

Personen & Kolumnen

Ein Weg, die Loyalität der Leser zu erhöhen sind Marken. Viele Blogger machen es vor, durch konstante qualitativ hochwertige Inhalte und einen ausgeprägten eigenen Stil, schaffen diese Personen den Übergang vom anonymen Blogger zur Marke. Die Besucher kehren immer wieder zu seinem Blog zurück, weil sie explizit seine Artikel lesen möchten. In Zeiten des Sozialen Webs, können sich Einzelpersonen durchaus stärker profilieren, als "Anonyme Großkonzerne". Es geht einem einfach viel leichter von dem Lippen zu sagen: ich bin ein großer Fan von "Mathias Döpfner", als ich bin ein großer Fan der "Axel Springer AG". Verlage beschäftigen eine große Zahl von guten und kreativen Kolumnisten, bei der nächsten Marketing-Budget-Besprechung sollten sie mal darüber nachdenken Geld in diese Namen zu investieren.

Meinungen, Kommentare & Hintergründe

Ich habe es eingangs erwähnt, Nachrichten sind im Internet im Überfluss vorhanden. Reine Faktenmeldungen und Zahlenkolonnen findet man wie Sand am Meer. Was jedoch deutlich seltener und somit auch wertiger ist, sind Meinungen. Fundierte, gut recherchierte Meinungen & Kommentare, eben der Stoff aus dem eine gute Kolumne gemacht ist. Hier kann man sich durchaus profilieren und von den 1000en von Citizen-Journalists und Bloggern abheben. Dieser Punkt geht Hand in Hand mit dem schaffen einer Personenmarke. Das beste Marketing hilft nichts, wenn der Author keine spannenden Geschichten zu erzählen hat. Ein guter Kolumnen-Artikel hat bestand und Wertigkeit.

Visualisierung & Infografiken

Layout & Textsatz

Ich habe diesen Punkt in meinem Artikel "Warum mein Journal kein Blog ist" bereits angesprochen. Es ist mir unverständlich, warum gerade die Internetauftritte von Print-Publikationen so lieblos gestaltet sind. Die Zeitungen haben doch eine lange Historie und viel Erfahrung mit dem Layouten von Artikeln. HTML bietet einem eine technische Grundlage in der sich leicht alles realisieren lässt, was man von einer guten Zeitschrift gewohnt ist. Und noch viel Mehr. Warum in aller Welt ist dann jeder Artikel ein unendlicher Wasserfall an lieblos dahin geklatschten Text? Warum müssen Bilder hinter einer separaten "Klickstrecke" versteckt werden und können nicht mehr Teil des Artikels sein? Ein paar Zeilen CSS und der Text umfließt die Grafik wie in einer Zeitung. Wenn ich das sogar für meine private Seite hinbekomme, wieso schafft Ihr angeblichen Profis das nicht?

Warum hat von euren professionellen Designern noch nie einer etwas von dem Begriff Weißraum gehört? Vielleicht hat es bei euch noch keiner gemerkt, aber so eine Webseite, die kann man Scrollen. Das ist eine feine Sache, im Gegensatz zu einer Zeitung hat man auf so einer Webseite unendlich viel Platz. Da kann man doch auch mal einen kleinen Flecken Weißraum irgendwo rein quetschen, oder?

Interaktion

Das Teil heißt INTERnet, nicht MONOnet. Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass Ihr der Sender seid und alle anderen stumpfe Empfänger. Das Zauberwort heißt INTERaktion. Ja, ihr habt alle inzwischen Kommentarfunktionen auf eurer Webseite wo Leser die Artikel kommentieren können. Das ist schon einmal ein Anfang (auch wenn Ihr dazu neigt kritische Kommentare gleich wieder zu entfernen, aber so sei es eben. Und eine Antwort des Autors auf die Kommentare sucht man meist vergebens). Aber mir geht es hier weniger um die Kommunikation mit dem durchschnittlichen Leser, sondern um die Ansprache von Multiplikatoren, wie Beispielsweise Blogautoren. Unter den Bloggern ist es üblich sich gegenseitig mit Respekt und Anerkennung zu behandeln. Wenn ich Inhalte zitiere, dann nenne ich eine Quelle und setze einen Link (einen Link ohne nofollow Attribut!). Und im Gegenzug werde ich irgendwann mal von dem anderen Blogger verlinkt. Das funktioniert schön und ist vorteilhaft sowohl für die Blogger als auch für den Leser, der so die Originalstory schnell und einfach finden kann und ein Gefühl für die Entwicklungsgeschichte der Nachricht bekommt.

It's not rocket surgery

Die von mir angesprochen Punkte sind alle kein Hexenwerk. Wenn die Verlage sich darauf besinnen qualitativ hochwertige Inhalte zu schaffen, dann werden die Leser auch kommen. Das Schöne am Internet ist, dass sich gute Inhalte rasend schnell verbreiten. Da müsst ihr dann nicht mal mehr einen Finger rühren um auf euch aufmerksam zu machen, dass machen die vielen Blogger und Twitterer und Digger und so weiter dann für euch.

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