Die gute, alte Rechtschreibung...

- Bastian Nutzinger, 13. März 2010

Liebster Papi,

erinnerst du dich daran, wie wir uns vor ~10 Jahren wegen des Themas Rechtschreibung gestritten haben?

Ich schrieb meine ersten Bewerbungen, ich glaube für ein Schülerpraktikum, und widmete der Rechtschreibung zugegebenermaßen nicht die größte Aufmerksamkeit. Um es etwas deutlicher aus zu drücken, ich glaube ich sagte etwas in der Art wie:

"Wir haben das Jahr 2000, das Internet ist hier und für Rechtschreibung interessiert sich doch eh kein Schwein. Guck dir mal an, wie in den Chatrooms und Foren geschrieben wird, und trotzdem verstehen sich die Leute gegenseitig!"

Tja, was die Rechtschreibung in den Foren angeht, hatte ich wahrscheinlich Recht. Aber welche Rückschlüsse lässt das auf die orthographischen Anforderungen an eine Bewerbung zu?

Richtig, keine.

Sicherlich fragst du dich jetzt, warum ich diese ollen Kamellen aufwärme, aber es gibt einen aktuellen Anlass.

Ich habe heute eine Bewerbung ungelesen
"in den Papierkorb" geschmissen, weil ich einen Rechtschreibfehler im Anschreiben gefunden habe.


Genau genommen, waren es sogar zwei Rechtschreibfehler. Wie du sicher weißt, bin ich selbst nicht besonders sicher bei der deutschen Rechtschreibung, was es aber nur schlimmer macht, wenn selbst ich dann einen Fehler entdecke. Erschwerend hinzu kommt, dass diese Fehler von Word 100%ig rot angestrichen worden sind. Warum ich auf diese Kleinigkeiten so drastisch reagiere? Es liegt nicht daran, dass Rechtschreibung für den Job besonders wichtig gewesen wäre. Es liegt auch nicht daran, dass ich in den letzten 10 Jahren zu einem Rechtschreib-Fanatiker geworden bin.

Nein, es liegt daran, dass ich der Meinung bin, dass korrekte Rechtschreibung ein Zeichen von Sorgfalt und Respekt ist. Wie ernst soll ich eine Bewerbung nehmen, bei der der Bewerber es nicht für nötig gehalten hat den Text Korrekturlesen zu lassen? Wenn der Bewerber sich nicht einmal für so etwas Wichtiges wie seine eigene Bewerbung Mühe gibt, wie soll das dann bei den alltäglichen Aufgaben funktionieren?

Hast du damals die gleichen Argumente vorgebracht?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr, ich war wohl, wie man das von einem Jugendlichen erwartet, zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Tatsache ist, du hattest (wie so oft) Recht.

Kommentare



Share |


blog comments powered by Disqus