"It's a magical device"

- Bastian Nutzinger, 16. März 2010

Warum das iPad der Computer ist, den wir alle haben wollten, es aber nicht wussten

Seit sich Ende 2009 die Hinweise und Gerüchte verdichteten, dass Apple möglicherweise an einem Tablet Computer arbeitete, kannte die Tech-Blogger- und Gadget-Fan-Gemeinde kein anderes Thema mehr.

Es wurde analysiert und spekuliert als ob es kein Morgen gäbe. Jeder fühlte sich dazu berufen seine eigenen Wunschträume und Fantasien in das mythische Tablet hineinzuinterpretieren.

Was ist schief gelaufen?
Wie konnte Apple uns so enttäuschen?

Die Antwort ist simple. Das iPad ist nicht, und war nie, für die Technik-Begeisterten gedacht.

Seit den ersten Computern kannte die IT-Welt nur eine Richtung: Schneller, Mehr, Besser. Alle arbeiteten unter der Prämisse, dass der PC, so wie wir ihn kennen die beste Lösung für alle war. Wir haben unsere einzelnen Programme in den verschiedenen Fensterchen, die wir uns irgendwo aus dem Internet oder im MediaMarkt um die Ecke zusammenkaufen und mit der Maus durch die Gegend schieben können. Egal ob Windows, Linux oder Mac. Alle Betriebssysteme arbeiteten mit diesem Paradigma.

Auch die Programme, die geschrieben worden sind, wurden immer umfangreicher und komplexer. Denken wir mal an Excel. Jeder kennt das Tabellenverarbeitungsprogramm von Microsoft, aber kannst Du guten Gewissens behaupten, dass du auch nur die Hälfte aller Funktionen, die das Programm anbietet verstehst oder gar benutzt? Ich arbeite fast täglich mit Excel und ich entdecke immer wieder einen Knopf, den ich vorher nicht kannte und den ich auch wahrscheinlich in ein paar Tagen wieder vergessen werde.

Auftritt: mythisches Einhorn iPad


Hier kommt nun also Apple mit dem iPad. Ein Computer, der so einfach zu bedienen ist wie ein Telefon. Ja, aufgrund des wunderbar durchdachten und ästhetisch ansprechenden Interfaces sogar einfacher als so manches Telefon.

Multitasking? Nö, eine Aufgabe, eine Anwendung. Du willst surfen, Du startest den Browser. Der Browser nimmt den ganzen Bildschirm ein, alle anderen Anwendungen werden geschlossen. Simple und einleuchtend.
Keine Programme im Hintergrund, die vielleicht oder auch nicht da unten in der Taskleiste zu finden sind und Ressourcen verbrauchen obwohl ich sie gar nicht brauche. Keine komischen Meldungen, dass irgendein Programm irgendein Update heruntergeladen hat und ich auf einmal den PC neustarten muss, obwohl ich das doch gar nicht veranlasst habe.

Zugriff auf das Dateisystem? Nö. Wer auch immer auf den Gedanken gekommen ist, dass es eine gute Idee wäre den Benutzer auswählen zu lassen, wohin er Programme, Dateien oder was noch speichert und diese dann über den "Explorer" oder "Finder" wieder selber suchen muss, hat seine Mutter offenbar nicht sonderlich gemocht.

Was bleibt übrig, wenn man all diese Komplexität weg nimmt?

Zauberei. Ja, das ist es was Steve Jobs meinte, als er sagte es wäre ein "magical device". Zauberhaft eben weil es wie von Zauberhand funktioniert. Der Benutzer wird durch eine vollkommen undurchlässige Oberfläche vom eigentlichen System getrennt. Wie das Gerät im Hintergrund funktioniert bleibt verborgen, denn, seien wir mal ehrlich, eigentlich interessiert uns das auch nicht. Dies ist Apples Kampfansage an den "Explorer" und an die Installations-Dialoge, an die Einstellungsmenüs, Optionen, Konfigurationen.

Das dieses Gerät zufällig im Tablet-Format daherkommt ist nur die konsequente Fortführung des Gedankens. Maus und Tastatur sind Hilfsmittel, die wir erlernen müssen um mit dem PC zu interagieren. Das iPad wie ein Buch oder Blatt Papier in die Hand zu nehmen und damit durch antippen mit dem Finger zu interagieren ist deutlich direkter und natürlicher.

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