- Bastian Nutzinger, 27. April 2010
Apple. Nur wenige Marken polarisieren so stark wie der in Cupertino, CA ansässige IT-Konzern. Nimmt man sich einen Augenblick Zeit und durchstreift die eingängigen Foren und Blogs , stellt man sich schnell die Frage: Handelt es sich bei Apple tatsächlich nur um eine Firma die Computer baut oder gibt es möglicherweise einen gleichnamigen religiösen Kult?
Die Vehemenz und Verbissenheit mit der manch ein Apple-Fan die Produkte seiner Firma verteidigt, grenzen an Fanatismus. Nicht Umsonst werden die Apple-Fans oftmals als Zealots, Evangelisten, iFanbois oder gar als macfags bezeichnet. In einem Forum in dem sich fundamentalistische Christen und Muslime über ihre jeweiligen Religionen austauschen geht es wahrscheinlich gesitteter zu.
Dieser Kult beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Marke Apple sondern wird von einem entsprechenden Personenkult um den Gründer und Vorstand des Unternehmens Steve Jobs ergänzt.
Wie schafft es Apple so viel Vertrauen, Loyalität und, ja, Gläubigkeit in seinen Anhängern hervorzurufen?
Über dieses Thema wird in Marketing-Kreisen viel und oft geredet. Natürlich, möchte doch jede Firma gerne einen ähnlich loyalen Kundenstamm sein eigen nennen. Die Begründung, die liegt jedoch nicht im Marketing, zumindest nicht, wenn man Marketing im engeren Sinne, also als Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden begreift.
Ein Aspekt ist maßgeblich für den Erfolg der Produkte aus dem Hause Apple verantwortlich. Absolute und bedingungslose Kompromisslosigkeit. Passender als der Slogan "Think Different"
wäre wohl:
"Friss oder Stirb!"
Diese Kompromisslosigkeit zieht sich durch alle Aspekte des Unternehmens. Produkte sind dann fertig, wenn sie fertig sind. Davor gibt es keine Pressemitteilungen, keine Ankündigungen, keine Konzepte und schon gar keine Termine. Wenn Steve Jobs mit einem Produkt dann endlich auf der Bühne steht, ist es fertig und wird in der Regel innerhalb der nächsten 4-8 Wochen im Laden erhältlich sein.
Auch während der Entwicklung, hinter verschlossenen Türen, gibt es eine Kultur der Kompromisslosigkeit. Wenn im Hause Apple ein Handy entwickelt wird, und nachdem alle Wunschfunktionen, das Design und die Materialien feststehen und es herauskommt, dass dieses Telefon wohl nur gewinnbringend für 800€(!) zu verkaufen ist, na dann… dann ist das eben so. Und wenn zum Zeitpunkt des Verkaufs niemand in der Lage war herauszufinden, wie man auf einem Touchscreen Handy Copy&Paste realisiert. Na, dann wird das 800€ Handy ohne Copy&Paste ausgeliefert. Erst ein Jahr später, wurde die Funktion nachgeliefert. Dann jedoch vollständig ausgereift und perfekt.
Als das iPhone im Sommer 2007 vorgestellt wurde, wurde es wegen dieser und anderen fehlenden Funktionen und dem unvorstellbaren Preis belächelt. Wie die Geschichte weiterging, wissen wir alle. 25 Mio. verkaufte iPhones zwischen 2007 und 2009. Und es geht jetzt erst richtig los, Analysten erwarten alleine für 2010 einen Absatz von 35 Mio. zusätzlichen iPhones. Da ist so manch anderem Smartphone Hersteller, wie RIM & Nokia oder Microsoft das Lachen im Halse stecken geblieben.
Zu der Liebe zum Detail während der Entwicklung kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Konzentration aufs wesentliche. Die gesamte Produktpalette von Apple passt auf einen durchschnittlichen Schreibtisch. Ein Seitenblick auf Konzerne wie Dell, HP oder Sony zeigt, wie selten und wichtig dieser Aspekt ist.
"Do one thing and do it right."
Auch hier zeigt sich wieder die "Friss oder Stirb"-Mentalität. Während andere Konzerne versuchen möglichst viele Zielgruppen mit unterschiedlichen Varianten ihrer Produkte und einer insgesamt großen Produktpallette an zu sprechen, geht Apple nach dem Motto vor: Hier ist der iMac. Den gibt es in klein und in groß. Such dir einen aus, wenn dir das nicht passt dann kannst du mir den Buckel runterrutschen.
Und so polarisiert das Unternehmen. Die Anhänger fühlen sich in guten Händen, bei einem Konzern der keine Kompromisse macht, und die Gegner bemängeln fehlende Auswahl und Freiheit und natürlich den Preis.
| Größe | 15" | 15" |
| Prozessor | Core2Duo @ 2,8GHz | Core2Duo @ 2,8GHz |
| Festplatte | 250Gb @7.200 RPM | 320Gb @7.200 RPM |
| Arbeitsspeicher | 4GB DDR3 | 4GB DDR3 |
| Auflösung | 1440 x 900 | 1440 x 900 |
| Grafikkarte | 256MB | 512MB |
| Preis | 1.414,00€ | 2.054,01€ |
Weil es funktioniert und Spaß macht
Sicher, der Preisunterschied von 600€ ist happig, aber wie viel ist es Dir wert, dass deine Daten sicher sind? Wie viel ist es dir Wert, dass das System stabil läuft und man sich nicht über irgendwelche seltsamen Probleme ärgern muss, wie viel ist es dir Wert, dass dein Laptop nach 2 Jahren immer noch exakt genauso schnell ist wie kurz nach dem Auspacken? Und wie viel sind dir die vielen, vielen kleinen zusätzlichen Boni wert, die es obendrauf gibt? Boni, wie eine reiche Auswahl an guten Programmen, die von Haus aus mitgeliefert werden, wie ein sehr guter Browser und E-Mailclient? Der kleine aber feine MagSafe Poweradapter, der sich magnetisch mit dem Laptop verbindet, damit ein Sturz über das Kabel nicht das vorzeitige Ende des Laptops bedeutet? Ein eingebautes Touchpad von der vierfachen Größe und einer unglaublichen präzisen Erfassung und Unterstützung für Gesten? Hintergrundbeleuchtung für die Tastatur, damit man die Tasten auch im Dunkeln findet oder die automatische Regulierung der Bildschirmhelligkeit entsprechend des Umgebungslichts?
Und zu guter Letzt: EIN Ansprechpartner, falls mal etwas nicht funktioniert, keine Aussagen vom Dell-Support wie: "Da müssen sie die Microsoft Hotline anrufen, dafür sind wir nicht zuständig." und kurz danach vom Microsoft die Antwort: "Setzen Sie sich doch bitte mit Dell auseinander, dass scheint ein Problem mit der Hardware zu sein, dafür sind wir nicht zuständig."
Nein. Nein, man braucht es sicher nicht, aber ich sehe das pragmatisch: Ich, wie viele von euch auch, verbringe jeden Tag beruflich und privat viel Zeit vor dem Bildschirm, das ist für mich Grund genug, diese Zeit so produktiv und angenehm wie möglich zu verbringen. Ich meine, Ihr habt doch auch einen ordentlichen Bürostuhl, der sicher nicht ganz billig war, dabei könntet ihr genauso gut auf einem einfachen Holzhocker sitzen. Klar, es geht, aber schön ist es nicht.
Versteht mich nicht falsch, ich möchte keineswegs sagen, dass Windows ein schlechtes Betriebssystem wäre, gerade Windows 7 hat mich sehr angenehm überrascht. Bedenkt man die Vielzahl der Kombinationen aus Hard- und Software die mit Windows möglich sind, grenzt es an ein kleines Wunder, dass Windows überhaupt funktioniert, geschweige denn, dass es auch noch den Großteil der Zeit gut funktioniert. Und wer viel Wert auf eine große Auswahl legt (vor allem bei Spielen), der ist bei Microsoft ohne Frage besser aufgehoben. Aber alles im Leben hat nun mal seinen Preis und bei Microsoft heißt dieser Preis Fragmentierung und Inkonsistenz.
Bei Apple gilt: Ganz oder Garnichts.
Bei Linux gilt: Alles geht, nix muss.
Und bei Microsoft gilt: Von allem ein bisschen.
Welches Betriebssystem für Dich das richtige ist, kannst du nur selbst entscheiden. Ich habe meine Wahl getroffen und kann abschließend nur eines sagen:
"Seit ich einen Mac habe, verbringe ich viel mehr Zeit am Computer
statt mit dem Computer"
p.s.: zum Apple-Shop geht es hier lang ;)