- Bastian Nutzinger, 21. März 2010
Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO (Search Engine Optimisation), ist eine Branche welche in den letzten Jahren kontinuierliches Wachstum erfahren hat. Wachstum bedeutet hier vor allem, dass die Anzahl der selbst ernannten SEOs und ihrer Opfer Kunden täglich steigt, aber beginnen wir am Anfang:
Die Idee ist einfach. Ich, als Webseitenbetreiber, bezahle einen Suchmaschinenoptimierer dafür, dass er dafür sorgt, dass meine Webseite bei Google und anderen Suchmaschinen möglichst weit vorne in den Ergebnislisten zu den Suchbegriffen, die für meine Seite relevant sind, erscheint. Der Nutzen ist auch ziemlich offensichtlich: Je weiter vorne ich in den SERPs (Search Engine Result Page) erscheine, desto mehr Menschen klicken auf meine Webseite.
Dazu müssen wir uns kurz ansehen, wie Google bei der Bewertung von Webseiten vorgeht, das ist im Groben schnell erklärt. Zuerst wird meine Webseite vom Googlebot besucht, dass ist ein Programm, dass bei Google auf den Servern läuft und nichts anderes tut, als den ganzen Tag Webseiten zu besuchen Links zu folgen und noch mehr Webseiten zu besuchen. Jede Webseite, die der Googlebot besucht wird erstmal auf den Rechner von Google gespeichert. So entsteht im laufe der Zeit auf den Rechnern von Google eine Kopie des Internets. Da allerdings das Internet selbst für die tausenden von Rechnern von Google ein bisschen zu groß ist, werden die gespeicherten Seiten von verschiedenen Algorithmen in ihre Einzelteile zerlegt und analysiert. Dabei schaut Google welche Wörter auf der Seite vorkommen (Keywords), auf welche anderen Seiten verlinkt wird (Ausgehende Links) und welche Seiten auf diese verlinken (Eingehende Links). Alle diese Werte werden dann verrechnet und es ergibt sich ein Wert, den Google kurz und Knackig „Relevanz“ nennt. Wie genau der Algorithmus von Google funktioniert ist ein gut gehütetes Geheimnis, aber die Relevanz bestimmt letztendlich an welcher Stelle in den Suchergebnissen, welche Seite zu welchem Suchbegriff erscheint. Die Ausgehenden Links sind für die Bewertung meiner eigenen Seite erst einmal wenig relevant, diese Information nutzt Google primär dazu um zu bestimmen welche anderen Webseiten eingehende Links haben. Die Worte, welche Google auf meiner Webseite findet, nutzt es dazu meine Seite zu kategorisieren und stellt somit eine Vermutung über den Inhalt auf. Kommt auf meiner Webseite also oft das Wort „Stricken“ vor, geht Google davon aus, dass das wohl das Thema der Webseite ist und wird meine Seite bei der nächsten Suchanfrage zum Thema „Stricken“ berücksichtigen.
Google weiß nun also mit welchem Thema sich meine Seite beschäftigt, aber sind die Inhalte denn auch gut und nützlich? Hier haben sich die schlauen Köpfe bei Google etwas einfallen lassen, dass genauso einfach, wie auch brilliant ist. Sie nutzen einfach die eingehenden Links auf meine Webseite um zu bestimmen, wie relevant die Inhalte sind. Die Idee ist folgende: Wenn auf meiner Seite gute Inhalte stehen, dann werden andere Leute auf diesen Inhalt verlinken und somit steigt die Anzahl der bei mir eingehenden Links. Google braucht jetzt also nur noch zu ermitteln, wie Interessant andere Leute die Webseite fanden, die Links zählen und schon weiß es, wie wichtig meine Seite ist. Natürlich geht der Algorithmus von Google etwas raffinierter vor, als einfach alle Links zu zählen, er Berücksichtigt eine Menge zusätzlicher Faktoren, wie zum Beispiel, wie viele eingehende Links denn die Seite hat, die auf meine verweist oder ob sich die verweisende Webseite mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, aber das ist alles Feintuning und basiert auf gesundem Menschenverstand. Darüber hinaus vergibt Goole Bonuspunkte für ein paar technische Kriterien. Wird die Webseite schnell geladen? Ist sie sauber programmiert? Kommt der Suchbegriff evtl. in der URL vor? Ist die Navigation und die Hierarchie der Webseite sinnvoll aufgebaut? Und eine ganze Menge weiterer Kriterien. Wie besagt, sind dies aber nur Bonuspunkte und haben einen viel geringeren Einfluss auf die Relevanz meiner Seite. Wie man sehen kann ist also das mit großem Abstand wichtigste Kriterium für die Relevanz meiner Webseite der Inhalt. Guter Inhalt heisst gute Suchbegriffe heisst viele eingehende Links, heisst hohe Bewertung von Google.
Als erstes wird er Dir wahrscheinlich etwas Ähnliches erzählen, wie ich weiter oben. Wie funktioniert Google, welche Faktoren sind wichtig und so weiter. Dann wird er dir erzählen, dass Ihr als zuerst gemeinsam herausfinden müsst, welche Suchbegriffe denn für die Webseite relevant sind. „Ihr“ heisst in diesem Fall „Du“. Dann wird kurz nachgeguckt ob diese Suchbegriffe auf der Webseite vorhanden sind wenn nicht, müsst ihr (das heisst Du) die Texte entsprechend Umschreiben. Dann wird er sagen, dass Ihr eingehende Links braucht, am besten von Seiten mit ähnlichen Themen, übersetzt heisst das: Du, mach mal ein bisschen Werbung für deine Seite, schreib mal andere Seiten zu dem Thema an, ob sie dich nicht Verlinken wollen. Dann wird er sich Tagelang mit den kleinen technischen Stellschrauben beschäftigen, die ich erwähnt habe und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten, die Du dann umsetzen sollst.
Am Ende wird ER dir eine dicke Rechnung über seine „Beratungsleistungen“ schreiben. DU wirst zwar die ganze Arbeit gemacht haben, darfst aber trotzdem die Rechnung bezahlen. Ob die Maßnahmen sinnvoll waren oder nicht, wird sich erst in Wochen und Monaten zeigen, bis dahin sitzt der SEO mit deinem Geld schon auf Mallorca. Aber falls sich die Maßnahmen als wenig hilfreich herausgestellt haben, ist das auch kein Problem. Schließlich hat er dir seine Karte dagelassen und du kannst Ihn ja noch einmal beauftragen. Und Du wirst dich fragen, ob du nicht lieber hättest ein Buch kaufen sollen, da steht nämlich das gleiche drin und das kostet nur 30€.